Digitale Souveränität war lange ein Thema für Datenschutzbeauftragte und Juristen. Das hat sich grundlegend geändert. Mit DORA (Digital Operational Resilience Act), NIS2 und wachsender geopolitischer Unsicherheit ist das Thema auf dem Tisch der CIOs und IT-Vorstände angekommen — und bleibt dort.

Was digitale Souveränität wirklich bedeutet

Der Begriff ist breiter als oft gedacht. Es geht nicht nur um Datenspeicherung in der EU. Es geht um die Fähigkeit einer Organisation, ihre kritischen IT-Systeme, Prozesse und Daten selbst zu kontrollieren — auch wenn ein wichtiger Lieferant ausfällt, die Regulierung sich ändert oder geopolitische Spannungen die Verfügbarkeit von Technologie einschränken.

Drei Dimensionen sind dabei zentral:

Die regulatorische Realität: DORA und NIS2

DORA verpflichtet Finanzinstitute ab 2025 zu einem umfassenden Management von IKT-Risiken — inklusive detaillierter Anforderungen an das Third-Party-Risk-Management. Kritische IT-Dienstleister müssen identifiziert, bewertet und vertraglich gebunden werden. Konzentrations­risiken bei einzelnen Anbietern sind explizit zu adressieren.

NIS2 erweitert den Kreis der betroffenen Organisationen erheblich und verschärft die Anforderungen an Lieferkettensicherheit und Incident-Reporting. Für viele Unternehmen bedeutet das: erstmals strukturiertes Third-Party-Risk-Management als regulatorische Pflicht.

Typische Schwachstellen in der Praxis

In unserer Beratungspraxis begegnen uns immer wieder die gleichen Muster:

Pragmatisches Vorgehen in vier Schritten

Digitale Souveränität ist kein Sprint, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Pragmatisch empfehlen wir folgenden Einstieg:

Fazit

Digitale Souveränität ist kein Selbstzweck und auch kein Plädoyer für technologischen Nationalismus. Es geht um bewusstes Risikomanagement — und darum, als Organisation handlungsfähig zu bleiben, auch wenn sich das Umfeld verändert. IT-Führungskräfte, die das Thema heute angehen, werden es morgen nicht als Pflichtübung nachholen müssen.